Teneriffa und die Sonne

Alltägliche und nicht-alltägliche Beobachtungen

Wir spüren sie fast täglich, die wärmende Sonne Teneriffas. Weil sie hier so schön scheint, kommen viele Menschen auf die Insel, um sie zu genießen. Oder um sie zu beobachten und zu erforschen. Dazu müssen wir hoch hinaus.

(Dieser Beitrag entstand unter maßgeblicher Beteiligung des begeisterten Hobbyfotografen Günter Trautmann, von dem auch die meisten Bilder sind.)

nacht_03_0140Tagsüber ist dort oben über den Wolken ein Sonnenschutz angeraten und man sucht besonders im Sommer auch gerne den Schatten auf. Richtig schön wird es, wenn die Sonne tiefer steht. Die Sonnenuntergänge über den Wolken haben einen ganz besonderen Reiz.

Die Fotografen warten schon gespannt auf den richtigen Moment und freuen sich natürlich auch über die herrlich rot leuchtenden Felsen auf der Nordseite des Guajara.

nacht_03_0100_3

Günter Trautmann gibt folgende Hinweise zum Fotografieren von Sonnenuntergängen:

Die Kamera steht auf Zeitautomatik, d.h. die Blende wird mit hoher Blendenzahl F>10 vorgewählt. Dadurch werden die Sonnenstrahlen sternförmig. Damit der Weißbereich der hellen Sonne gut aufgelöst wird, verwende ich als Messmethode eine spot- oder mittenbetonte Messung und fokussiere auf die Sonne. Diesen Wert speichere ich ab und wähle den geeigneten Bildausschnitt. Daraus entsteht ein relativ dunkles Bild ohne Blitzlichter. Mit Hilfe des Histogramms führe ich die weiteren Korrekturen durch, um die Umgebung aufzuhellen.


gregor-eroffnungWährend die Fotografen eher von den tollen Sonnenauf- oder untergängen begeistert sind, nehmen Wissenschaftler die Sonne Teneriffas aber ganz genau unter die Lupe. Auf 2390m Höhe befindet sich in der astrophysischen Station von Izaña eines der wichtigsten Sonnenlaboratorien der Erde. Mit mehreren Teleskopen beobachtet und fotografiert man hier die Sonne. Eines davon ist das größte europäische Solarteleskop GREGOR, das seit 2012 in Betrieb ist und dessen Ausrüstung 12,8 Mio € gekostet hat.

Ein anderes ist das VTT (Vacuum Tower Telescope), das nicht nur 38m in die Höhe reicht, sondern auch noch 6 Stockwerke tief in die Erde geht.vtt

Beide werden betrieben vom Kiepenheuer Institut für Sonnenphysik KIS (60%), dem Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam AIP (20%) und dem Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung MPS (20%).

aussicht-vom-vtt-feb-2014Normalerweise arbeiten die Forscher dort oben von April bis Anfang November. Im Winter sind die Anlagen geschlossen – aus nachvollziehbaren Gründen: Das Foto zeigt die Aussicht vom VTT nach einem Schneesturm im Februar 2014.gregor-teleskop

Gregor ist ein offenes Teleskop.

Es gibt zwar eine halbschalenförmige Zeltkuppel, diese wird aber für die Beobachtung zusammengefaltet. So nimmt die Luft ein Teil der Wärme mit, denn bei diesen Beobachtungen entsteht sehr viel Hitze. Der Spiegel wird an seiner Rückseite mit Luft gekühlt und es wird nur ein Teil des Sonnenlichtes direkt beobachtet. Die Resthitze wird durch eine Wasserkühlung abgeleitet.

Hier sind zwei Ergebnisse von Gregor: Das rechte Bild zeigt detailreiche Aufnahmen von Sonnenflecken, der dunkle Kreis ist die Größe der Erde im Vergleich. Das linke Bild ist ein vertikaler Schnitt durch einen winzigen Sonnenfleck von nur 2400km Durchmesser, die Farben geben die Temperatur (in K) oberhalb und unterhalb der Sonnenoberfläche an.

Die Gregor Live-Webcam: http://www.leibniz-kis.de/en/observatories/gregor/gregor-webcam/

Fotos: Günter Trautmann, KIS, IAC

Die Observatorien auf Google Maps:

Nun noch zwei schöne Sonnenuntergänge, über der Windkraftanlage des ITER (Instituto de Technología y Energías Renovables) in Granadilla und über dem kleinen Hafen von San Miguel de Tajao.

Hier gibt’s was über Teneriffa und der Mond und Teneriffa und die Sterne.


Artikel-Nr. 0-9-34

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