Alle Jahre wieder: Der Cuetlaxóchitl

Big Business mit roten Sternen

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Wer kennt ihn nicht, den Weihnachtsstern? In diesen Tagen ist er aus den Regalen der Blumenläden und Supermärkte nicht mehr wegzudenken. Am 12. Dezember ist der offizielle „Tag der Poinsettia“. In der Weihnachtszeit steht in jedem Haushalt mindestens ein Töpfchen mit einer „Flor de Pascua“.

1711118_1Der rote Stern, den man hier in Teneriffa an allen Ecken sehen kann, hat viele Namen. „Euphorbia pulcherrima“ ist der wissenschaftliche, es handelt sich also um eine Pflanzengattung der Wolfsmilchgewächse. In den meisten spanisch-sprachigen Ländern kennt man ihn als „Flor de Pascua“ (Osterblume). In Venezuela als „Papagayo“, in Nicaragua als „Pastora“, in Argentinien als „Bundesstern“, in Peru als „Andenkrone“ und in der Türkei als „Atatürk-Blume“.

JoelPoinsettStatueIn den USA und auch in Deutschland kennt man sie als „Poinsettia“. Joel Roberts Poinsett war der erste Botschafter der Vereinigten Staaten in Mexiko (1821-1825). Er war ein passionierter Botaniker, und ihm hat die Blume so gefallen, dass er sie seinen Freunden zu Weihnachten schenkte. Warum sich daraus eine Tradition entwickelte, ist unklar. Tatsache ist, dass die in die USA ausgewanderte deutsche Familie Ecke in den 1920er Jahren praktisch das Monopol für den Verkauf von Poinsettias hatte, denn es gelang Paul Ecke jr. eine Züchtung, die die Pflanze etwas buschiger und damit attraktiver wachsen ließ.

In ihrer Wildform bekommt sie nur wenig farbige Blätter und lange Stängel, sie kann 3-4m hoch werden, so wie wir sie hier in Teneriffa auch oft sehen. Ecke verschenkte dann in der Weihnachtszeit viele Pflanzen an Fernsehsender und erreichte so die nötige Publicity für sein Big Business. Als das Poinsettia-Imperium, die „Paul Ecke Ranch“, 2012 verkauft wurde, kontrollierte Ecke etwa 50% des weltweiten Markts. Der „Erfinder“ Poinsett starb am 12. Dezember 1851, und 2002 hat der amerikanische Kongress den 12. Dezember als „Poinsettia-Day“ festgelegt, damit die Blumenwirtschaft auch offiziell was zu feiern hat.

flordepascua-eldiaSchon am 15. November haben die Gärtner in Santa Cruz entlang der Ramblas begonnen, die Blumenrabatten mit Weihnachtssternen zu bepflanzen. 33 000 rote und 7 800 weiße sollen insgesamt bis Mitte Dezember aufblühen. Auch an vielen anderen Plätzen der Stadt kann man die Blumen in verschiedenen Farben bewundern.

Selbstverständlich ist auch die beliebte Blumenuhr im Parque García Sanabria mit Weihnachtssternen bepflanzt worden. (Wenn du mal diesen Park besuchen möchtest, lies vorher den Artikel Ein Sonntag im Park.) Beim Blumenstand an der Ecke darf er natürlich auch nicht fehlen.

Aber den Weihnachtsstern als Busch kann man auf Teneriffa das ganze Jahr über sehen. Oft ist er ziemlich zerzaust und kahl und hat nur wenige rote Blätter. Er ist übrigens nicht giftig, wie man oft hört. Allerdings kann vor allem bei Wildformen der weiße Saft wie bei allen Wolfsmilchgewächsen Haut und Augen reizen. Katzen sollten möglichst nicht daran schlecken und dem Hauskaninchen sollte man keine Blätter zu fressen geben.

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Der Weihnachtsstern stammt aus Mittelamerika. Seine sternförmigen Blätter sollen an den Stern von Bethlehem erinnern und die rote Farbe an das von Christus vergossene Blut. So jedenfalls die „christliche“ Interpretation. Schon im 16. Jahrhundert soll ein franziskanischer Mönch in Taxco de Alarcón (Mexiko) seine Kirche damit dekoriert haben. Es gibt natürlich auch eine andere Geschichte dazu:

Es war einmal ein armes mexikanisches Mädchen namens Pepita, das traurig war, weil es kein Geschenk für das Jesuskind zu Weihnachten hatte. Auf dem Weg zur Kapelle versuchte ihr Vetter Pedro sie zu trösten und pflückte am Wegesrand ein paar trockene Ästchen, denn selbst das einfachste Geschenk würde Jesus zufrieden stellen. Pepita kniete vor dem Altar, steckte die Zweige in eine Vase neben der Krippe und war ein bisschen glücklicher. Zur großen Überraschung der Gemeinde geschah das Wunder, genau am Weihnachtstag. Die unscheinbare Pflanze entfaltete ihre volle Blütenpracht, und seitdem heißt sie Weihnachtsstern.

Doch schon lange vorher haben die Azteken die Pflanze benützt, die bei ihnen Cuetlaxóchitl hieß. Sie machten daraus Pigmente, natürliche Medizin gegen Fieber und opferten sie ihren Göttern, denn die strahlenförmigen Blätter symbolisierten die Sonnenstrahlen.

Warum jetzt aber der Name „flor de pascua“? Der Weihnachtsstern ist eine Kurztagespflanze. Sie fängt nur dann an zu blühen, wenn sie weniger als 12 Stunden Licht erhält, und das mindestens fünf Tage lang. Dann dauert es etwa zwei Monate, bis sie voll aufblüht. Diese Lichtverhältnisse sind nahe des Äquators praktisch das ganze Jahr gegeben, weiter nördlich in den USA oder in Europa aber erst ab November. Sie blüht dann eigentlich ab Januar und bleibt bis Ostern in voller Blüte. Nun soll sie aber zu Weihnachten blühen. Also wird sie schon im Oktober dazu gezwungen. In den Gewächshäusern deckt man sie ein paar Wochen lang mit dunkler Folie ab. So reguliert man, dass sie pünktlich zur Adventszeit oder noch früher blühen, denn die hat in Santa Cruz ja schon Mitte November begonnen…

1711115_1Weltweit werden jedes Jahr rund 500 Millionen Pflanzen herangezogen und verkauft – ein Riesen-Geschäft für die Blumenindustrie. Mehr als 300 verschiedene Sorten gibt es, was Farbe, Größe und Umweltanpassung angeht. Es ist ein Energie intensiver Anbau, denn im Spätherbst müssen die Gewächshäuser gut geheizt werden. Andererseits braucht die Pflanze einen morgendlichen Kältereiz, um besonders viele farbige Blätter und einen kompakten Wuchs zu entwickeln. Natürlich sind die roten Blätter gar keine Blüten, sondern nur so genannte Hochblätter, die Insekten anlocken sollen. Die eigentlichen Blüten sind klein und unscheinbar in der Mitte des letzten Blätterkranzes.

Als Topfpflanze ist die Osterblume ein typischer Wegwerfartikel. Wenn die roten Blätter ihre Farbe verlieren, ist sie einfach nur noch grün und landet im Müll. Das ist schade, denn sie ließe sich gut über den Sommer bringen. Etwas zurückschneiden und wenig gießen, sie darf erst Wasser kriegen, wenn die Erde ganz ausgetrocknet ist. Und im Oktober ein paar Wochen in den dunklen Keller stellen, damit sie wieder „pünktlich blüht“. Aber das ist dann nicht im Sinne der Industrie, denn nächstes Jahr soll ja wieder gekauft werden.


Artikel-Nr. 0-19-90

 

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