Von Enten und Fröschen

Mitten in der Hauptstadt.

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Ein hübsches kleines Plätzchen in Santa Cruz ist nach langen Restaurierungsarbeiten endlich wieder zugänglich: Der Entenplatz. Pünktlich zum 25. Juli wurden die Arbeiten abgeschlossen, und die Bürger können sich wieder auf den farbigen Bänken und unter Schatten spendenden Bäumen zu einem gemütlichen Schwatz treffen.

Eigentlich heißt er Platz des 25. Juli und liegt in der Mitte der Avenida 25. Juli, im Volksmund ist der kleine runde Platz mit dem Brunnen in der Mitte aber als Entenplatz bekannt.

Der 25. Juli 1797 war ein historischer Tag für Teneriffa. Ein Angriff der englischen Flotte unter Leitung von Admiral Nelson wurde erfolgreich zurückgeschlagen. Die Kanone namens „Tigre“, die Nelson dabei einen Arm zerfetzte, ist heute noch im Castillo San Cristóbal zu sehen. Nelson behauptete danach, er habe gegen 8000 Verteidiger kämpfen müssen, aber in Wirklichkeit waren es nur 1700. Aber das alles ist eine andere Geschichte…


1807048_1Es ist ein hübsches, ruhiges und buntes Plätzchen in der Stadt, das von Ortsfremden nicht oft besucht wird. Der Brunnen plätschert leise vor sich hin. In der Mitte sitzt eine Gans aus Bronze auf einer Schildkröte. Auf dem Kopf der Gans landet eine Taube. Man geht im Kreis herum und sucht sich eine der 20 Keramikbänke aus. Omas und Opas ruhen sich im Schatten unter den alten indischen Lorbeerbäumen aus, während die Enkel die Frösche streicheln.

 

 

Warum jetzt aber „Entenplatz“, wo doch nur Frösche und eine Gans zu sehen sind?

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Lange bevor im Jahr 1906 durch König Alfonso XIII der Grundstein für den neuen Entwurf gelegt wurde, gab es an dieser Stelle schon einen Brunnen mit der Skulptur eines Reihers in der Mitte, aus dessen Schnabel das Wasser floss. Es war eher ein mit Steinen umfasster, flacher Tümpel, in dem sich regelmäßig Enten aufhielten. Damals war die nahe Umgebung noch sehr landwirtschaftlich geprägt, und die Tiere suchten eine Wasserstelle. Und so behielt der Platz in der Bevölkerung seinen Namen als Entenplatz.

1807033_1Der Name des Platzes hat aber nichts mit seinem Bau zu tun. Er wurde im Jahr 1917 fertiggestellt und mit denselben farbigen Kacheln geschmückt, wie sie in Sevilla auf vielen städtischen Plätzen zu sehen sind. Dort gibt es auch einen ähnlichen, wenn auch deutlich größeren „Froschbrunnen“, fuente de las ranas. Dort sitzen die gleichen Frösche am Brunnenrand. Die Wahl Sevillas ist kein Zufall und war durch die Feier der damaligen Ibero-Amerikanischen Ausstellung motiviert. Das Interesse, das Original zu kopieren, war so groß, dass es theoretisch unter dem gleichen Namen reproduziert werden sollte: Plaza de las Ranas. Aber der traditionelle Name setzte sich durch und am Ende blieb es bei der Bezeichnung Plaza de los Patos.

1807055_1Neben einem der Blumenbeete kann man die Plakette zu Ehren von Pedro Méndez Vega sehen, einem andalusischen General, der entschlossen war, eine Nachbildung des Platzes in Sevilla nach Santa Cruz zu bringen. Da die Ressourcen der Stadtkasse damals knapp waren, bot man privaten Unternehmen an, das Projekt finanziell zu fördern. Sie konnten auf den Rückenlehnen der Bänke Werbung machen – dies war das erste „Kultursponsoring“ in der Geschichte der Insel. Auch diese Werbung wurde mit herrlichen farbigen Kacheln ausgeführt.

Jetzt, nach 101 Jahren, hat die Stadt fast eine halbe Million Euro ausgegeben, um den historischen Platz zu restaurieren. Man hofft, dass es dann wieder hundert Jahre hält. Die Arbeiten an den Bodenfliesen und Keramiken wurden mit viel Liebe zum Detail ausgeführt. Alle Fliesen mit mehr als 10% Schaden wurden komplett ersetzt, die weniger beschädigten wurden repariert. Die Kacheln wurden von der Firma Cefoarte in Sevilla in künstlerischer Handarbeit hergestellt. Allein der Brunnenboden besteht aus einem Puzzle von 1300 Stücken, das sich viermal wiederholt. Die acht Frösche, die um die Gans herum auf dem Brunnenrand sitzen, hat ein Handwerker aus Icod de los Vinos gefertigt.

galeria patos_eldiaBei den Arbeiten hat man auch einen seither unbekannten und erstaunlich großen Kanal entdeckt, der unter der ganzen Avenida verläuft. Er diente einst dem Auffangen von Regenwasser, ist aber heute verschlossen.

(Foto: El Día)

In diesem Video berichten Bürgermeister und Stadträte über das Projekt, und man sieht, wie die Arbeiten vor sich gingen:

Der emeritierte Geschichtsprofessor der Universität La Laguna, Alberto Darias Príncipe, schätzt diesen Platz als „das beste Beispiel für den regionalistischen Stil ist, der sich in der Hauptstadt Teneriffas so nicht wiederholt hat“. Er habe sich auch perfekt angepasst an das bürgerliche Umfeld im „Barrio de los Hoteles“, in dem er sich befindet, und sei „ein Maßstab für die Stadtentwicklung vor 100 Jahren, da er der einzige radiozentrische Platz im Stadtzentrum ist.“

Auf den alten Fotos (Quelle: Lalagunaahora.com) kann man sehen, wie sich der Platz entwickelt hat. Das älteste Foto zeigt nur den Grundstein des Königs, auf dem dann eine Lampe montiert wurde, der Brunnen kam erst später dazu.

Es lohnt sich, ein paar Schritte in die sternförmig auslaufenden Straßen zu gehen. Hier im Barrio de Los Hoteles haben sich Anfang des 20. Jahrhunderts die wirklich reichen Leute der Stadt ihre Paläste gebaut. Viele der riesigen Villen sind heute noch gut erhalten und aus architektonischer Sicht wahre Schätze.

Der schönste Schatz liegt mittendrin und leuchtet wieder wie vor hundert Jahren. Nun gibt es wieder schöne Blumenbeete, ein neues Bewässerungssystem und moderne LED-Leuchten. Nur die Enten fehlen noch…

Gehe zu Google Map:

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Geht man die Avenida 25. Juli ein Stück nach oben, kommt man schnell zur grünen Lunge der Hauptstadt, ein weiteres Schmuckstück und ein richtiger botanischer Garten, der Parque García Sanabria: Ein Sonntag im Park. Dort gibt es sogar echte Frösche!

Von anderen Tieren in der Hauptstadt erzählt diese Geschichte: Von Katzen und Tauben.

P.S.: Das Rollschuhlaufen und Skateboardfahren auf dem Entenplatz wurde eine Woche nach der Neueröffnung ausdrücklich verboten!

Aktualisierung 03.08.18

Kaum ist eine Woche vergangen, meldet sich der Sprecher der sozialistischen Opposition im Stadtrat zu Wort und kritisiert die Arbeit als „Pfusch“. Zusammen mit Experten kam er zu der Ansicht, dass hier in mehrfacher Hinsicht geschlampt wurde: „Fliesen schlecht verarbeitet, ungleiche und schlecht ausgeführte Fugen“ und im Allgemeinen „einige Oberflächen, die ich selbst im Badezimmer meines Hauses nicht dulden würde“, sagte José Ángel Martín, Abgeordneter der PSOE im Stadtrat, und bezeichnet das als ein „Attentat“ auf die Fliesen aus Sevilla, die diesen Platz so einzigartig machen.

Von Seiten der Stadtverwaltung reagierte man auf diese Kritik und bezeichnete die Arbeit als „vorbildlich“, allerdings würde man die Angelegenheit „beobachten“, und falls noch Nachbesserungsbedarf bestünde, müsste die zuständige Firma dies bis zum 10. September regeln. Der Stadtrat für öffentliche Dienste, Dámaso Arteaga, sagte, dass es sich auf jeden Fall um eine Garantieleistung handeln würde und warf der Opposition vor, dass sie selbst kein einziges Projekt für Santa Cruz vorweisen könne, sondern, was noch schlimmer sei, „sie zeigt, dass ihr Wunsch, mit der Stadt zusammen zu arbeiten, auf einfache und ungerechtfertigte Kritik beschränkt ist“.

Martín von der Opposition sieht aber im Oberbürgermeister und seinem Stellvertreter die einzigen Verantwortlichen dieser Situation.


Artikel-Nr. 26-20-112

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