Ein Flughafen in Güímar

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Ein Flugzeug im Landeanflug auf Güímar? Nein, dieses Flugzeug wird nicht dort landen, es wurde nur dort aufgestellt. Aber ein ähnliches ist tatsächlich einmal dort gelandet, auf einer richtigen Landebahn. Zur Erinnerung an dieses Ereignis gibt es nun ein Denkmal.

1811083_1Es handelt sich um eine Piper PA 18 Super, die auf den Namen der Jungfrau von El Socorro getauft ist. Sie schwebt jetzt über einem Kreisverkehr im Industriegebiet von Güímar, ganz in der Nähe des kleinen Dorfs El Socorro. Sie hat eine Länge von 6,90m und eine Spannweite von 20m und kostete 3000 €, insgesamt mussten für das Aufstellen 23 000 € ausgegeben werden.

„Das Flugzeug erinnert uns daran, dass wir in Güímar ein starkes Volk sind, das keine Angst vor Widrigkeiten hat.“ Dies waren die Worte der umtriebigen Bürgermeisterin Luisa Castro bei der Feierlichkeit zur Einweihung des Monuments. Die Jungfrau von El Socorro, unter der Begleitung des Pfarrers, war selbstverständlich zugegen und segnete die Piper. Von der städtischen Opposition im Rathaus war es wohl nicht abgesegnet, denn die fehlte am denkwürdigen 9. November 2018 im Kreisverkehr.

gente-avion_diariodeavisos (Foto: diariodeavisos.com)

Es waren wirklich heftige Widrigkeiten, mit denen die Gegend von Güímar im Jahr 1958 zu kämpfen hatte. In diesem Jahr erlebte Teneriffa die schlimmste Heuschreckenplage aller Zeiten. Am 15. Oktober verdunkelte sich der Himmel und Massen von Heuschrecken überfielen die Insel und ließen von Santa Cruz bis Granadilla, aber auch auf der Nordseite, kein grünes Blättchen mehr übrig. Sie verursachten Verluste in Millionenhöhe und ruinierten das Einkommen und das Leben unzähliger Familien. Die Bauern machten Feuer, verbrannten Autoreifen, machten Lärm mit Töpfen und Dosen, versprühten Gift, aber alles erfolglos. Immer neue Schwärme der 5-7cm großen Heuschrecken kamen an. Straßen und Felder füllten sich mit Bergen von toten Heuschrecken.

Am sechsten Tag der Plage schickte das Landwirtschaftsministerium endlich zwei Flugzeuge, die tonnenweise das Insektengift DDT versprühten, um der Plage Herr zu werden. Bis zu 15 Flüge pro Tag wurden von Los Rodeos aus durchgeführt. Um die Flugzeiten zu verkürzen, wurde ein Teil des Feldwegs nahe des Dorfs El Socorro als Landepiste hergerichtet.

Es dauerte 20 Tage. Dann drehte der Wind, es wurde kühler und die ersten Herbstregen setzten ein. Mit Lastwagen und Schiffen – allein in El Médano füllte man 30 Boote – mussten am Ende die toten Heuschrecken abtransportiert und im Meer versenkt werden.

Im Angedenken an dieses schreckliche Ereignis wurde nun nach 60 Jahren das Flugzeug aufgestellt. Ein Projekt für einen Flugplatz in Güímar gab es aber schon lange vorher. Bereits 1935 existierten Pläne, eine Landebahn auf Teneriffa zu bauen, genau in der großen Ebene, in der sich heute das Industriegebiet von Güímar, Arafo und Candelaria befindet. Doch man entschied sich für Los Rodeos, auf Grund der Nähe zur Hauptstadt. Die Idee, in Güímar eine Ersatzpiste mit 600m Länge und 100m Breite zu bauen, wurde jedoch nicht aufgegeben, und 1949, nachdem der Flugplatz von Los Rodeos häufig wegen schlechter Wetterverhältnisse unerreichbar war, wieder aus der Schublade geholt, aber nicht verwirklicht.

Erst bei der Heuschreckenplage 1958 konnte man in El Socorro tatsächlich Flugzeuge auf der Hilfspiste landen und starten sehen. In den 60er Jahren dachte man erneut daran, in dieser Gegend, genauer gesagt im heutigen Landschaftsschutzgebiet Malpaís de Güímar, einen zweiten Flugplatz für die Insel zu bauen. Vermessungen wurden vorgenommen, Pläne ausgearbeitet und eine Wetterstation aufgestellt, die von 1960 bis 1963 in Betrieb war. Die örtliche und nationale Presse feierte schon den großen Güímar-Flughafen, doch auch dieses Projekt wurde verworfen zugunsten des Südflughafens, der näher an den sich entwickelnden touristischen Zentren des Südens lag.

1811084_1Nun hat die Ebene hinter dem Dorf El Socorro ein großes Industriegebiet. Einen Flughafen wird es dort nicht mehr geben. Touristen werden dort auch nicht vorbeikommen. Aber Lastwagenfahrer, Industriearbeiter oder die bescheidenen Dorfbewohner werfen vielleicht im Vorbeifahren einen Blick auf die Piper im Kreisverkehr.

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Artikel-Nr. 13-5-123

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