Die dumme Suppe

Aus Resten etwas machen.

Sopa boba

Auf manchen Märkten, bei Festen oder in einfachen Bauernkneipen, den Guachinches, bekommt man ab und zu ein Gericht mit einem etwas abschreckenden Namen: Die „dumme Suppe“ kann ganz lecker sein. Ursprünglich war sie das sicher nicht.

Der Ursprung der „Sopa boba“ (auch einfach „Fraß“, „Studentensuppe“ oder „Armensuppe“ genannt) geht auf das 16. Jahrhundert zurück. Sie war ein gemischter Eintopf, der nur aus Wasser und Brot und aus Essensresten bestand. Was im Kloster übrig war, wurde als Almosen an die Armen verteilt, die aus Hunger an die Tür klopften. Die Überreste, die nicht von den Gästen eines Wirtshauses oder einer Bar konsumiert wurden, bekamen die sogenannten Sopistas. In La Laguna waren es oft „faule“ Studenten, die – angeblich – nicht arbeiten wollten, sie lebten „von der dummen Suppe“. Dumm waren sie aber nicht, im Gegenzug mussten sie dafür ein Musikstück spielen oder singen, oder ein Gedicht rezitieren.

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(Foto: *1)

Die Bezeichnung „dumme Suppe“ leitet sich davon her, dass die Hungrigen mit offenen Mund um Speisen baten. Der weit geöffnete Mund war eine vielfach stark kritisierte Geste, den man den dummen und einfältigen Menschen zuschrieb. Man verwendet auch heute noch den Ausdruck „andar a la sopa boba“, um auf das faule, parasitäre Leben einiger Zeitgenossen hinzuweisen. Wenn Kinder aus wirtschaftlichen Gründen wieder ins Elternhaus zurückkehren, sagt man, sie „kommen zu der dummen Suppe zurück“.

Bartolome_murillo-diego_de_alcala_Wikipedia.JPGEin Gemälde von Bartolomé Murillo, San Diego gibt den Armen Essen.

(Foto: *2)

Mafalda, das Mädchen aus dem Comic, den jeder Spanier kennt, hasste sie. „Mamá, warum immer Suppe? Wenn du mich liebst, warum dann immer Suppe?“ Und was gibt es Schlimmeres, als ein kleiner Bruder, der die Suppe über alles liebt?

Und natürlich hieß sie so, weil sie mit Wasser gestreckt wurde, was auch wegen Geldmangels in gewissen Einrichtungen durchaus üblich war. Gefangene, Soldaten, Seeleute oder mittellose Studenten mussten mit der Restesuppe zufrieden sein. Wie man sich vorstellen kann, sicherlich eine recht fade Angelegenheit.

„Sopa boba“ war auch eine spanische Fernsehserie aus dem Jahr 2004, die montags bis freitags um 15:45 Uhr zu sehen war. Nach der Scheidung übernimmt Julia, die für ihre drei Kinder verantwortlich ist, ein ruinöses Hostal, einen Mini-Markt und eine verfallene Werkstatt. Die wirkliche Absicht ihres Ex ist, dass Julia kläglich scheitert und an seine Seite zurückkehrt. Mit Hilfe ihrer besten Freundin Alma wird sie es schaffen und alles wieder auf die Beine stellen. Ihre Bande von ineffizienten und katastrophalen Mitarbeitern machen es ihr aber nicht leicht. Eine typische Seifenoper eben, oder besser: eine einfältige Suppe. 109 Folgen wurden gesendet.

sopaboba_aulafacilcom

(Foto: *3)
Ganz so einfach wie auf diesem Bild muss sie heutzutage aber nicht mehr sein. Ein bisschen Gemüse darf schon dabei sein. In der Markthalle von La Laguna kann man sie probieren. Auch Sterneköche sind schon darauf gekommen, die „dumme Suppe“ etwas aufzuwerten, z.B. auf der Basis von Hummer oder Languste. Das Restaurant La Playita in San Andres kocht eine besonders leckere.

 (Fotos: *4, *5)

Auch in Teneriffa gibt es kalte Winterabende, an denen eine Suppe gut wärmt. Hier ist ein Rezept für eine dumme Suppe, die recht lecker schmecken kann.

Zutaten:
1 Tasse gewürfelte Süßkartoffeln, 1. Tasse gewürfelte Kartoffeln, 1 Tasse Suppennudeln, 1 Tasse gewürfelter Sellerie, 1 Tasse Gemüsebrühe (auch Fleischbrühe oder Hühnerbrühe möglich), 6 Tassen Wasser, 1 Esslöffel Essig, 1 Esslöffel gehackte Petersilie, ½ Esslöffel gehackter Knoblauch, 4 Scheiben gewürfeltes Weißbrot vom Vortag, Gewürze nach Belieben.
Zubereitung:
Gemüsebrühe, Wasser, Essig, Petersilie, Knoblauch und Gewürze 15 Minuten kochen. Dann die Kartoffeln dazugeben, 5 Minuten später die Nudeln und die Brotwürfel.
Mit getoastetem Brot servieren.

Guten Appetit!

(Fotos: *1=LaLagunaAhora.com, *2=Wikipedia, *3=aulafacil.com, *4=morguefile.com, *5=restaurantelaplayita)


Artikel-Nr. 0-29-132

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